Das unabhängige Gesundheitsweb für Österreich
netdoktor.at

Gesundheit Aktuell

  Brokkoli kann Lungenkrebsrisiko senken

Wissenschafter haben wieder einen Grund mehr herausgefunden, warum Brokkoli nicht nur als nette Gemüsegarnitur neben dem Pfeffersteak abgetan werden sollte. Eine großangelegte Studie belegt, dass bestimmte chemische Substanzen, die in Brokkoli enthalten sind , offensichtlich das Lungenkrebsrisiko senken. 

An der Untersuchung nahmen 18.000 Männer teil. Jene Männern, bei denen Isothiozyanate in nachweisbaren Mengen im Körper vorhanden waren, hatten in einem Zeitraum von zehn Jahren ein um 36 Prozent geringeres Risiko, an Lungenkrebs zu erkranken, als jene Teilnehmer, bei denen diese Chemikalien nicht nachgewiesen werden konnten. Isothiozyanate sind in Brokkoli und ähnlichen Gemüsesorten enthalten. 

Die Studie wurde von Forschern des National Institute of Environmental Health (NIEHS) in North Carolina gemeinsam mit chinesischen Kollegen in Shanghai durchgeführt und im Fachmagazin "The Lancet" (2000; 356: 724-729) publiziert. "Die Wahl fiel deshalb auf Shanghai, weil die Bevölkerung der Stadt eine hohe Raucherrate aufweist, aber auch sehr viel Brokkoli bzw. ähnliche Gemüsesorten isst," erklärte Dr. Stephanie J. London, Epidemiologin und Studienleiterin.
Während des Studienzeitraums von zehn Jahren traten in der Untersuchungsgruppe 259 Fälle von Lungenkrebs auf. Das niedrigere Lungenkrebsrisiko in Zusammenhang mit den Isothiozyanat-Mengen bestand auch dann, wenn Einflussfaktoren wie Rauchen ausgeschlossen wurden.

Kein Freibrief für Raucher

Die Schutzfunktion der Isothiozyanate wird auch wesentlich durch die genetische Veranlagung der Patienten beeinflusst. So zeigte sich, dass jene Menschen, denen die Gene zum Abbau der chemischen Substanzen fehlten - das betraf 60 Prozent der Studienteilnehmer - einen deutlich höheren Schutz vor Lungenkrebs hatten, als Patienten mit diesen Genen. In dieser Untersuchung wurde erstmals ein Zusammenhang zwischen Isothiozyanat-Messungen und einem niedrigeren Krebsrisiko belegt. Andere Studien basierten bislang nur auf Ernährungsfragebögen, die aber keine Aussagen darüber zulassen, wieviel Isothiozyanat-Mengen im Körper vorhanden sind. 

London warnt jedoch davor, dass Raucher die Studienergebnisse als Freibrief ansehen. Obwohl die Ergebnisse den Nachweis erbracht hätten, so London, dass Brokkoli und andere verwandte Gemüsesorten bei Rauchern das Lungenkrebsrisiko senken können, bedeute dies sicher nicht, dass Isothiozyanate einen ausreichenden Schutz darstellen. Die chemischen Substanzen senken zwar das Krebsrisiko um 36 Prozent, aber Rauchen erhöht das Lungenkrebsrisiko um mehr als das Zehnfache. 

Die Wissenschafter nehmen an, dass die Schutzfunktion der Isothiozyanate darin besteht, dass sie die Produktion von Antioxidantien fördern und Enzyme hemmen, die es den Karzinogenen des Zigarettenrauches ermöglichen, die Erbsubstanz zu schädigen. 
Isothiozyanate sind nicht in Pillenform erhältlich. Bislang kennen die Forscher noch nicht die Wechselwirkungen der 20 verschiedenen Isothiozyanate untereinander. So haben z.B. frühere Studien mit Pillen mit der krebsreduzierenden chemischen Substanz Beta-Karoten ergeben, dass höhere Dosen als in Nahrungsmitteln das Krebsrisiko sogar erhöhen. 
(erstellt am 25. September 2000) 

GS


Zurück zum Überblick